Wenn ein Waliser Welsh Rarebit zaubert, eine Kasachin mit viel Geduld Pelemeni formt und eine Amerikanerin einen saftigen Apple Pie backt – ja, dann bleibt es nicht aus, dass alle genüsslich in Erinnerungen schwelgen.

Es kann losgehen: Bestens vorbereitet stehen Dave und Marina in Kirstens Küche. Rezepte werden ausgebreitet, Kochutensilien und Zutaten ausgepackt. „Pelemeni und Rarebit musste ich erstmal googeln“, gibt die Amerikanerin Kirsten lachend zu. Aber das ist ja das Schöne an der internationalen Kochrunde: Alle lernen hier neue Dinge aus fernen Ländern.
Dave fängt mit dem Schnippeln an. Für seine Vorspeise – eine Kartoffel-Lauch-Suppe – müssen Zwiebeln, Lauch und Kartoffeln kleingeschnitten werden. „Ich wollte ja eigentlich was mit Lamm machen, denn Wales steht für Lamm, aber eine Vorspeise mit Porree ist auch super.“ Porree ist tatsächlich das Nationalgemüse der Waliser, und dazu gibt es eine witzige Anekdote, erzählt Dave: „Früher haben einmal die Engländer gegen die Waliser gekämpft. Und damit man die Waliser erkannte, haben sie sich Porree an die Jacken gesteckt.“
Kirsten ist ordentlich am Wirbeln. Wer die Küche für die Kochrunde zur Verfügung stellt, hat es naturgemäß am schwersten. Wo sind Töpfe, Schüsseln und Messer? Kirsten, hast du ein Geschirrhandtuch? Und dann kommen noch die Kinder aufgeregt herein, und die Mutter möchte auch mal gucken, was hier so los ist. Kirsten bleibt wie immer fröhlich und gelassen und widmet sich ganz ihrem Apple Pie. „Ich wollte erst einen Peanut Butter Pie machen, aber der kam beim Probebacken bei meinem Mann nicht gut an“, erzählt sie grinsend. Kirsten kocht und backt gern, findet aber im Alltag nicht so viel Zeit dafür. Mittags reinigt sie noch die Grundschule im Dorf – da wird es also eng.
Marina werkelt gut gelaunt vor sich hin und bereitet ihre Hackfleisch-Teigtaschen vor. Normalerweise macht die 37-Jährige immer gleich große Mengen Pelemeni und friert sie in rohem Zustand ein. „Das geht super.“ Die Bällchen erinnern sie an ihre Kindheit. „Die haben wir in Kasachstan früher immer am 31. Dezember gegessen. Das war für uns ein großes Familienfest. Alle sitzen zusammen, essen, reden, tanzen.“ Wenn sie davon erzählt, leuchten ihre Augen. „Wenn ich heute Pelemeni forme, mache ich das gern zusammen mit meinem Mann. Das dauert so schön lange, wir entspannen und haben richtig Zeit zum Schnacken.“ Heute helfen ihr Dave und Kirsten beim Formen. „Das ist aber ganz schön fummelig“, meint Dave. „Das wäre nichts für mich.“
Dave ist tatsächlich ein Mann der Tat. Rastlos, ruhelos, immer in Action. Obwohl er in diesem Jahr 60 Jahre wird, macht er jede Menge Sport und ist ehrenamtlich tätig. Mal kocht er mit Flüchtlingen zusammen Mittagessen, mal bringt er Kindern Schlagball bei, mal reist er nach Afrika und verteilt Kleidung an Bedürftige. Er hat einfach ein gutes Herz. Wenn er kocht, dann entspannt der Waliser. „Ich bin am liebsten allein in der Küche“, gibt er zu. Aber natürlich genießt auch er diesen gemeinsamen Kochabend in vollen Zügen.
Der Apple Pie ist schon im Ofen und riecht verlockend nach Zimt, das Brett mit den winzigen Teigtaschen von Marina füllt sich langsam, und Dave bereitet die Mischung für den „Welsh Rarebit“ vor. „Ich würde das übersetzen mit ‚blubberndem Käse auf Toast‘ “, sagt Dave. Er gibt noch einen Schuss Bier dazu. „Das ist heute die Männervariante“, betont er und lacht. „Man kann auch Milch nehmen.“ Zusammen decken alle den Tisch, und nacheinander werden Vor-, Haupt- und Nachspeise bei einem Glas Rotwein verzehrt. Das allgemeine Fazit: alles wunderbar gelungen! Obwohl sich die drei zum Teil heute erst kennengelernt haben, wird fast schon vertraut miteinander geplaudert. Über Essen, über Schicksalsschläge, über Träume.
Ein toller Abend – und die verschiedenen Rezepte aus Wales, Kasachstan und Amerika wollen alle drei Hobbyköche demnächst unbedingt noch einmal ausprobieren.