
Helen aus England und Jessie von den Philippinen, die beide auch in den USA gelebt haben, plaudern gleich los – teils auf Deutsch, teils auf Englisch. Kein Problem für Mathias aus Togo, wo als Amtssprache Französisch gesprochen wird. Er erzählt, dass er in Benin geboren wurde, seine Mutter aber dann mit den Kindern in ihr Heimatland Togo gezogen sei. Mit drei Personen sind also quasi gleich sechs Nationen vertreten – Deutschland mitgezählt, wo heute alle zu Hause sind, in oder bei Schleswig.
Mathias schneidet bereits das Fleisch und die Zwiebeln für das Hauptgericht. „Ganz ohne Tränen“, stellt Jessie verwundert fest. „Aber ich weine für dich“, setzt sie hinzu und wischt eine kleine Träne weg. Helen hat angefangen, Biskuits und Früchte in Schälchen zu schichten, und holt das Fläschchen Likör zum Beträufeln hervor. „Trifle – das Wort heißt so viel wie ,eine Kleinigkeit‘“, erklärt sie. Das Wort stamme ursprünglich aus dem Französischen. „Das Schöne an diesem Dessert ist, dass so viele persönliche Varianten möglich sind. Es lässt sich mit allen Früchten zubereiten, mit Bananen, mit frischen Beeren oder mit gefrorenen Beeren, mit Heidelbeerlikör, Sherry oder Saft.“ Auf der anderen Seite der Arbeitsplatte halbiert Jessie die frischen Jalapeños. Für diese Sorte mit genau der richtigen Schärfe – violett, weiche Haut mit zarten Streifen – fährt sie immer einige Kilometer. Ihr Mann, ein Deutscher, liebe scharfe Gerichte, sagt sie, und hat gleich noch einen Tipp: „Ein paar Kerne in den Schoten lassen, das sorgt für eine Extraportion Schärfe.“ Mit einem Löffel füllt sie Frischkäse in die Schoten und wickelt Frühstücksspeck drumherum. Ein kleiner Kompromiss, denn eigentlich müsste es amerikanischer Bacon sein: „Der ist etwas dicker.“ Helen pflichtet ihr bei: „Stimmt, auch der englische Bacon ist etwas anders, aber die Dänen haben einen vernünftigen.“ Bei der Gelegenheit wird einmal schnell abgefragt, ob jemand in der Runde vegetarisch lebt – aber es gibt dreimal Daumen hoch für Fleischgerichte.
Im Moment hat Mathias den Herd für sich. Das Fleisch brutzelt bereits im Topf. „Im Original gehört an das Gericht Rindfleisch. Aber das dauert länger“, meint er. Mit Huhn gehe es ebenso gut. Er hat eine Dose mit einer Gewürzmischung aus Togo dabei. „Die habe ich von meinem letzten Besuch dort mitgebracht.“ Mathias erzählt von seiner ersten Reise nach Deutschland im Jahr 1990, als er allein in ein fremdes Land kam, als U16-Nationalspieler, fast noch ein Kind. Und er strahlt, wenn er von seinem heutigen Projekt erzählt, dem Verein „Schule im Herzen“. Seine deutsche und ein Teil seiner weit verzweigten afrikanischen Familie sind daran beteiligt. In den ländlichen Regionen Togos müssen Kinder oft weit zu Schulen laufen, es fehlt an Vielem. Der Verein hat ein Schulgebäude mit Toiletten gebaut, schafft Unterrichtsmaterial an und sorgt dafür, dass Jugendliche eine Maurer-Ausbildung machen können. Geplant ist eine zweite Schule. „Neue Vereinsmitglieder sind willkommen“, setzt er hinzu. Auch Helen steht inzwischen am Herd und erhitzt langsam die Sahne mit der Vanilleschote. Dann rührt sie ausdauernd die Zutaten zu „Custard“ zusammen – der Vanillesoße, die auch mit wenig Zucker weich, süß und fluffig schmeckt. „Das können schon Kinder“, sagt sie und erzählt von ihren sechs Enkelkindern in Dänemark und England. Sie zählt auf, was Menschen aus England hierzulande vermissen: „Custard, Heinz Tomato soup und Baked Beans.” Dass oft auch Sonne und Wärme fehlen, stellen alle übereinstimmend fest.
„Hot“ wird es dann doch, denn Mathias würzt sein Gericht schön scharf. „So richtig wow“, kündigt er lachend an und gesteht: „Wenn ich im Asia-Restaurant esse, mache ich das Schälchen Sambal Oelek komplett leer.“ Rote, gelbe und grüne Peperoni dürfen in seinem Gericht nicht fehlen und machen auch optisch was her. Er verrät noch einen Trick für das grünliche Gericht: „Etwas Natron sorgt für eine schönere Farbe.“ Die Poppers kommen duftend aus dem Ofen, das Dessert zieht im Kühlschrank durch. Mathias sorgt dafür, dass das Hauptgericht zum richtigen Zeitpunkt serviert werden kann, und ruft alle zu Tisch – zum Menü von drei Kontinenten.