Heringe sind langgestreckte Schwarmfische, die weltweit in zahlreichen Gattungen und Arten zu finden sind. Mit am bekanntesten ist der Atlantische Hering, eine der am häufigsten vorkommenden Fischarten der Welt. Die grünblau schillernden Heringe werden bis zu 45 Zentimeter lang und bis zu ein Kilogramm schwer. Sie leben nicht nur in Nord- und Ostsee, sondern in allen Meeresregionen vom Nordatlantik bis in die Biskaya, in den Küstengebieten Europas genauso wie vor Island und Grönland sowie an der nordamerikanischen Ostküste.
Nordeuropas Sattmacher
Vor rund 1.000 Jahren war Hering in den nordeuropäischen Küstenregionen eines der Hauptnahrungsmittel. So berichtete zum Beispiel der arabische Chronist Ibrahim ibn Yaqub im Jahr 961/962 von seiner Nordeuropareise mit einiger Verwunderung, dass der dort sehr zahlreich vorkommende Hering in Schleswig einen Hauptbestandteil der Ernährung darstellte. Und in einem dänischen Geschichtswerk aus dem zwölften Jahrhundert beschrieb ein Geistlicher, dass die Meerenge zwischen Dänemark und Schweden alljährlich anlässlich der Laichwanderung riesiger Heringsschwärme in die Ostsee regelrecht „verstopft“ war.
Silber des Meeres
Vor etwa 900 Jahren wurde Hering vom lokalen Leckerbissen zu einem Exportschlager, der von Nordeuropa aus das gesamte Abendland eroberte. Er fungierte als ein wahrer Booster für den rasanten Aufstieg der Hanse und war eines ihrer wichtigsten Handelsgüter. Das sogenannte Silber des Meeres bescherte den Hansestädten und ihren Kaufleuten großen Wohlstand. Schließlich verordnete das Christentum seinen Anhängern sehr viele Fastentage. An diesen war Fleisch zwar verboten, aber Fisch durften sich die Christen auch während des Fastens schmecken lassen. Außerdem ließen sich Heringe durch die neue Konservierungsmethode des Salzens bis zu zwei Jahre haltbar machen – perfekt für den Transport über weite Handelswege. Den Seefahrern und Entdeckern kam diese neue Art der Verpflegung sehr zugute.
Die Herkunft der Bezeichnung Hering ist nicht genau belegt. Eine Theorie lautet, dass sie sich vom althochdeutschen Wort „heri“ für Heer, Haufen oder Menge ableitet. Angesichts der beeindruckenden Heringsschwärme, die einst durch viele Meeresregionen schwammen, wäre dies durchaus logisch. Die gigantischen Heringsmengen von einst sind heute zwar unvorstellbar, aber der Atlantische Hering gilt nicht als gefährdet. Fans des geschichtsträchtigen Fisches können also auch weiterhin genussvoll in ein herzhaftes Heringsbrötchen beißen oder sich die Delikatesse zum Beispiel mit unserem Rezept für eingelegte Bratheringshäppchen mit Bärlauch auf der folgenden Seite schmecken lassen.
Rezept